26.04.2026 –
Die Aufmerksamkeit der Welt gegenüber Palästina ist seit der sogenannten Waffenruhe (die seit
Oktober 2025 bis heute zu fast 800 Toten in Gaza geführt hat) und spätestens mit dem Angriffskrieg gegen Iran von durch USA und Israel wesentlich zurückgegangen. Dies hat dazu beigetragen, der israelischen Regierung eine noch freiere Hand in den palästinensischen besetzten Gebieten zu geben.
Als der Krieg gegen Iran am 28. März losbrach, hat die israelische Regierung Grenzübergänge und fast sämtliche der Hunderten von Check-Points in der West Bank geschlossen. Siedlerattacken nahm zu. Ein Gesetz für die Todesstrafe wurde unter feierlichem Trinken von Sekt in der Knesset beschlossen. Die Todesstrafe durch Erhängen innerhalb von 90 Tagen richtet sich nur gegen Palästinenser, für als „terroristisch“ eingestufte Delikte. Sie wird durch Militärgerichte entschieden.
Gaza
Geografisch ist Gaza kaum größer als Köln, hat aber mehr als zweimal so viele Menschen – knapp über zwei Millionen. Das israelische Militär kontrolliert etwa 53% des Gebiets. Alles südöstlich von der sogenannten „Yellow Line“ wird eingeebnet. Hier darf kein Bewohner von Gaza sein. Israels Generalstabschef Lt.-Gen. Eyal Zamir sagte, dass die „gelbe Linie“ die „neue Grenzlinie“ Israels sei.
Gaza hat damit momentan eine Bevölkerungsdichte von fast 5-mal mehr als Köln. Ungefähr 90% des Landwirtschaftsgebiet befindet sich östlich der Yellow Line. Große Teile der übrig gebliebenen Fläche von Gaza sind nur noch Trümmer. Ein erheblicher Anteil der Bevölkerung wohnt in Zelten. Sie sind so Regen und Kälte als auch Ratten, die Rattenpest tragen, ausgesetzt.

Als der Krieg in Iran anfing, wurden die Grenzen von Gaza dicht gemacht. Der Übergang Rafah ist permanent zu, und nur Kerem Shalom ist begrenzt offen. Hilfslieferungen wurden dadurch erst mal ganz gestoppt und erst später wieder eingeschränkt aufgenommen. Der Anzahl von LKWs, die die Grenze passieren, ist um ca. 80% eingebrochen. Mehr als 11.000 Krebspatienten und über 20.000 Patienten und Verwundeten benötigen Behandlung außerhalb Gazas. Es gibt starke Preissteigerungen und Versorgungsengpässe. Krankenhäuser melden Mängel bei medizinischen Vorräten, die Versorgung mit Ersatzteilen und Treibstoff für Generatoren ist durch den eingeschränkten Grenzübergang gefährdet. Das Summen von Drohnen ist immer präsent. Artilleriefeuer droht, falls die oft unklar definierte Yellow Line überschritten wird. Fischer werden an der Küste beschossen.
„Was ich in Gaza erlebt habe, kann ich nur als dystopische, postapokalyptische Einöde beschreiben…“ ( Lt. Col. Anthony Aguilar, ehemaliger Green Beret und Whistleblower,)
West Bank
Seit dem 7. Oktober 2023 sind mehr als 1000 Menschen im Westjordanland getötet worden. Seit Anfang des Irankriegs sind fast alle Check-Points zu, und nur begrenzt wieder geöffnet worden. Schon am ersten Tag, dem 28. Februar 2026, gab es 62 Attacken von zionistischen Siedlern in verschiedenen Städten. Solche Attacken sind oft koordiniert mit anderen Gruppen, und unterstützt vom israelischen Militär.
Unter die Attacken gehören z.B.:
• Brandstiftung von Häusern, Autos, Bäumen und Olivenpressen
• Allgemeine Zerstörung von Eigentum
• Körperliche Angriffe mit Schlägen, Messerstichen, Schüssen und Einsatz von Hunden
• Diebstahl und Plünderung von Werkzeugen, Geräten und Fahrzeugen
• Angriffe auf Hilfskräfte und Krankenwagen, um Rettungseinsätze zu verhindern
• Stehlen vom Eigentum während der Razzien der Soldaten, wie Gold, Schmuck und Geld
Nach dem 7. Oktober 2023 wurden 115.000 – 120.000 Arbeitserlaubnisse von Seiten Israels von einem Tag auf den anderen aufgehoben. Durch Bewegungseinschränkungen und gestörte Handels- und Lieferketten verloren mehr als 200.000 Menschen ihren Job. Die Kaufkraft stürzt ab. Manche Menschen kehrten zu ihrer Landwirtschaft zurück. Aber die neuen Einschränkungen und gesteigerte Aggression der Siedler und Soldaten haben einen Grad erreicht, dass die Fahrt zu den Landstücken (die sich oft außerhalb der Städte befinden) zu gefährlich geworden ist.
Die Verabschiedung vom Ben-Gvir’s Todesstrafe-Gesetz könnte interpretiert werden als ein Versuch, der erwarteten Reaktion der Palästinenser auf die verschlimmerte Lage in der West Bank entgegenzuwirken und sie einzuschüchtern.
Die Risse zeigen sich
Die Unterstützung für die Kriegspolitik, die es in den verschiedenen Schichten der Gesellschaft bisher gab, erodiert jeden Tag.
Der Krieg in Gaza hat eine große Auseinandersetzung innerhalb der jüdischen Bevölkerung in den USA ausgelöst. Es gibt junge Studierende, die mit den Ansichten ihrer Eltern gebrochen haben und Eltern, die sich als Konsequenz verweigerten, das Studium ihre Kinder weiter zu finanzieren. Große jüdische Organisationen wie Jewish Voice for Peace (Jüdische Stimme für Frieden) und IfNotNow (WennNichtJetzt) haben riesige Demonstrationen veranstaltet. Als der ehemalige Vorsitzende der Israel-freundlichen ADL (Anti-Diffamierungs-Liga) zur Haltung der jüdischen Jugend zur Israel gefragt wurde, antwortete er: „Wenn wir sagen: ‚Wir verlieren die Kinder‘ – wir haben sie verloren!“ (von der sehenswürdige Dokumentation Israelism).
Die evangelischen Kirchen, die im Gegensatz zu den Kirchen in Deutschland eine große Betonung auf Armageddon und das Zurückkehren von Messias legen, und für die Unterstützung für Israel sind, haben enorme Probleme. Hunderttausende junger Amerikaner wenden sich in diesen Jahren von amerikanischen Kirchengemeinden ab, insbesondere von den sogenannten Megakirchen. Tausende Kirchen in den USA stehen leer und verfallen oder werden zu Einkaufszentren umgebaut und zahlreiche Kirchen sind insolvent gegangen.
Auch in der amerikanischen Bevölkerung allgemein ist die Sympathie für Palästina nun größer als die für Israel. Da Israels Verhalten keine Aussicht auf Veränderung zeigt – eher das Gegenteil – und die Unterstützung für Palästina markant größer in der jüngeren Bevölkerung ist, wird diese Veränderung nur wachsen in den kommenden Jahren.
Diese allgemeine Veränderung wird auch im amerikanischen Militär widergespiegelt. Eine steigende Anzahl von Militärpersonal versucht Wege zu finden, das Militär zu verlassen. Das Center on Conscience and War, die größte Organisation für Kriegsdienstverweigerer, die sich schon im Dienst befinden, berichtet von einer Steigerung von 1000 % seit Beginn des Iran-Krieges (Bericht vom 27. März 2026). Einer der genannten Hauptgründe ist die Bombardierung der Mädchenschule im Iran. Laut eines Sprechers der Organisation ist die wachsende Empörung über den Krieg in Gaza im amerikanischen Militär deutlich zu spüren, und zwar auf allen Dienstebenen. Dies ist in den letzten Jahrzehnten bei den vielen von Amerika geführten Kriegen absolut beispiellos.
Innerhalb von Israel zeigen sich die Risse auch deutlich. Das israelische Militär kämpft mit einem deutlichen Anstieg von Selbsttötungen unter Soldaten und Reservisten. Zwischen Januar 2024 und Juli 2025 versuchten 279 sich das Leben zu nehmen, während 36 Soldaten durch Selbsttötung starben. Im Monat Dezember ist die Zahl auf 61 Selbsttötungen gestiegen.
Es gab in Israel über die letzten Jahre einen „Exodus“ von israelischen Bürgern, die das Land permanent verlassen. Im Jahr 2023, besonders nach dem Kriegsanfang in Oktober, hat man die größte Auswanderung in der Geschichte des Landes registriert mit 82.800 Bürgern, während nur 24.200 zurückkehrten. Das Jahr 2023 war das erste Jahr, in dem mehr Bürger das Land verließen als ankamen. Im Jahr 2024 sind in den ersten 8 Monaten 50.000 ausgewandert und 12.100 zurückgekehrt, und für das Jahr 2025 sind fast 70.000 Menschen ausgewandert, während nur 19.000 zurückgekehrt sind. Mehr als 200.000 Bürgern haben, seit die jetzige Regierung an die Macht kam, das Land verlassen. Dazu kommt das Problem des sogenannten „brain drain“, weil die, die das Land verlassen, oft der liberale, produktivere Teil der Bevölkerung sind.
Die israelische Wirtschaft ist auch kein Ponyhof. In den ersten 10 Monaten des Kriegs in Gaza haben mehr als 46.000 Geschäfte die Insolvenz erklären müssen. Zehntausende von Menschen mussten ihre Häuser im Norden Israels verlassen. Die Haushaltsausgaben sind dramatisch gestiegen, die Schulden des israelischen Haushaltes steigen weiter. Geschäftsleute sprechen davon, sich immer isolierter in der Welt zu fühlen, was mit der internationalen Boykott-Kampagne und der allgemein wachsenden Empörung verbunden ist.
Nicht auf den Händen sitzen!
Die Risse der Unterstützung für die Kriegspolitik werden immer deutlicher. Trotz betonköpfiger Regierungen erodiert das Fundament für die Fortsetzung dieser Politik ständig.
Gleichzeitig spüren immer mehr Menschen, wie die Sache Palästinas direkt mit ihrer eigenen Zukunft verbunden ist; wie die menschenverachtenden Methoden, die in Gaza, der West Bank, Libanon und Iran verwendet werden, auch in ihren eigenen Alltag auftauchen – ob Einschränkung der freien Meinungsäußerung oder ICE-Raids in den USA. Wenn die Regierungen, im Namen ihrer Bevölkerungen, Angriffskriege verbal verteidigen und sogar materiell unterstützen, dann dürfen wir nicht schweigen und uns mitschuldig machen. Deswegen muss die momentanen Stille um die verheerende Lage in Palästina zur Stille vor dem Sturm der Gerechtigkeit werden! Um unserer aller Zukunft müssen alle die Sache Palästina zu ihrer eigenen machen.
Palästina muss leben
Pressesprecher: Mahmoud Atiq Tel. 0179 – 4274906 mahmoudatiq99@gmail.com
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